Gluten - Mode, Mythos und Fehldiagnose

Hier erhalten Sie eine klare Definition und Erläuterung der diagnostischen Mittel über die Glutenschublade.

Die Glutenunverträglichkeit wird gerne als Modeerscheinung belächelt. In der Praxis mehren sich jedoch die Patienten mit den unterschiedlichsten Symptomen, die sich durch den konsequenten Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel schnell und dauerhaft behandeln lassen. Nur wenige dieser Patienten sind an Zöliakie erkrankt. Es existiert offenbar ein größeres Spektrum gluten-bezogener Erkrankungen als bisher bekannt ist.

Nicht zuletzt durch die Popularität glutenfreier Lebensmittel wird deutlich, dass individuelle Reaktionen auf Gluten nicht nur durch eine Zöliakie ausgelöst werden, sondern auch durch weitere pathophysiologische Vorraussetzungen entstehen können. Nach derzeitigem Wissensstand sind drei Reaktionsformen auf Gluten bekannt: die allergische Form (Weizenallergie), die Autoimmunreaktion (Zöliakie bzw. Sprue) und die Glutenunverträglichkeit bzw. Glutensensitivität.

Noch werden diese Begriffe in der deutschsprachigen Literatur meist synonym verwendet. In internationalen Veröffentlichungen wird die Glutenunverträglichkeit als "nicht-zöliakische Glutensensitivität" (non-celiac gluten sensitivity) bezeichnet.


  • Gluten und seine allergenen Fraktionen

Gluten ist ein Gemisch aus verschiedenen Proteinen, die in einigen Getreidesorten enthalten sind. Neben Weizen sind das auch Dinkel, Roggen, Hafer und Gerste. Ebenfalls glutenhaltig sind etliche der sogenannten Urgetreidearten wie Einkorn, Kamut und Emmer.

Im Weizen stellt Gluten mit ungefähr 80% die größte Proteinfraktion - ein Umstand der für die gute technologische Verarbeitbarkeit des Weizenmehls verantwortlich ist. Gluten ist beim Backvorgang als Strukturbildner (Klebereiweiß) für das Teiggerüst notwendig.


  • Die Weizenallergie - eine klassische allergische Reaktion

Laut Definition ist eine Weizenallergie eine immunvermittelte Reaktion auf Kontakt mit Weizenprotein. Weizenallergie ist eine klassische Lebensmittelallergie, die je nach Kontaktroute den Gastrointestinaltrakt, die Haut oder die Atmungsorgane (z.B. Inhalationsallergen, Bäckerasthma) betreffen kann.

Diagnostische Abgrenzung:

Die Weizenallergie läßt sich über IgE-Antikörper im Serum nachweisen. VORSICHT: Kreuzreaktionen mit Pollenallergien können diese Testergebnisse verfälschen. Die weitere Abklärung durch eine Bestimmung der IgG-Antikörper gegen Weizen bzw. Gliadin kann Klarheit bringen.


  • Zöliakie - eine Autoimmunreaktion mit schwerwiegenden Folgen

Die Zöliakie (Sprue) ist eine systemische Autoimmunerkrankung, die sich nicht nur an der Darmschleimhaut manifestiert. Die Symptome sind vielfältig und können in variabler Kombination auftreten. Sie reichen von gastrointestinalen Beschwerden über die Folgeerkrankungen der Resorptionsstörungen (Anämien, Osteoporose) bis hin zu untypischen Symptomen außerhalb des Verdauungstrakts wie neurologischen Störungen (Ataxie, Neuropathien, Myopathien) oder Fatigue-Syndrom.

Zöliakie geht mit einer genetischen Anfälligkeit einher. Nur Personen, die HLA-DQ2- bzw. HLA-DQ8-Antigene aufweisen, erkranken auch an Zöliakie. Weitere Faktoren, die die Entstehung von Zöliakie triggern können, werden derzeit diskutiert, z.B. Umweltstressoren oder Infektionen. Häufig treten andere Autoimmunerkrankungen wie Diabetes, Hashimoto-Thyreoditis oder rheumatoide Arthritis gemeinsam mit Zöliakie auf - und zwar umso häufiger, je später die Zöliakie diagnostiziert wird.

Es handelt sich bei der Zöliakie eigentlich um eine Mischform aus Allergie- und Autoimmunerkrankung mit Entzündung bzw. Schädigung der Darmschleimhaut.Als Folge der Entzündung werden die Darmschleimhautzellen zerstört, es kommt zur Zottenatrophie und Bürstensaumverlust.

Diagnostik:

Bei klinischem Verdacht auf Zöliakie sollen primär die Gewebstransglutaminase-IgA-Antikörper (tTG-IgA-AK) oder die Endomysium-IgA-Antikörper (EmA-IgA-AK), sowie das Gesamt-IgA im Serum untersucht werden. Es genügt in der Regel ein spezifischer Antikörpertest.

Für die Diagnose der Zöliakie gibt es keinen einzelnen beweisenden Test. Die Diagnose einer Zöliakie basiert auf der Anamnese, der klinischen Untersuchung, der Antikörperbestimmung und der histologischen Untersuchung von Dünndarmbiopsien.


  • Glutensensitivität

Die Glutensensitivität (Weizensensitivität) ist bislang nur unzureichend definiert. Sie umfasst alle klinischen Beschwerden, die durch Weizen ausgelöst werden, ohne dass eine Zöliakie oder eine Weizenallergie vorliegen.

Diagnostik:

Sie muss über den Ausschluss einer Zöliakie und einer Weizenallergie erfolgen. Bei den Betroffenen sind weder Antikörper noch eine Schädigung der Darmschleinhaut nachweisbar. Aufgrund der Symptome können Zöliakie und Glutensensitivität oft nicht unterschieden werden.

Hier ist es unumgänglich meine Funktionsmedizin als diagnostisches Mittel der Wahl zu nehmen. Mit dieser Methode können wir klar differenzieren ob es sich um eine Glutensensitivität handelt oder nicht.

Die Symptome betreffen vor allem Erwachsene (überwiegend Frauen) und treten Tage oder Stunden nach dem Glutenverzehr auf. Sie reichen vom Oberbauchsyndrom, Durchfall, vermehrte Darmgase, Verstopfung, über Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, bis hin zu neurologischen und psychischen Störungen. Eine glutenfreie oder glutenreduzierte Ernährung führt aber zum Abklingen und Verschwinden der Symptome.