Marc R. Kohler gehört zu den angesehensten Physiotherapeuten in der Region, seine Praxis Medsana genießt einen ausgezeichneten Ruf. Zu seinen Patienten zählen unter anderem die VfB-Stars Christian Gentner und Daniel Ginczek. Auch der Simple-Minds-Keyboarder Andy Gillespie ließ sich schon von Marc R. Kohler behandeln. Nun eröffnet er in Schorndorf eine neue Praxis für Funktionsmedizin. Da stellt sich die Frage: Warum eigentlich?

Marc R. Kohler, ist Physiotherapeut eigentlich wirklich ein so schrecklicher Beruf?
Überhaupt nicht, im Gegenteil. Wie kommen Sie denn auf so eine Frage?

Nun ja, Sie haben eine sehr angesehene Praxis für Physiotherapie – und eröffnen jetzt noch zusätzlich eine Praxis für Funktionsmedizin. Da fragt man sich schon, warum.
In manchen Fällen reicht das Spektrum der Physiotherapie, in vielen leider nicht. Weil die reine Physiotherapie gerade bei etwas komplexeren Krankheitsbildern an Grenzen stößt. Fachlich und zeitlich.

Inwiefern?
Schauen Sie: Im Praxis-Alltag kommt der Patient mit einem Rezept vom Arzt. Darauf steht, wie sie als Physiotherapeut den Patienten zu behandeln haben. Und es ist auch von Anfang an eine Zeitspanne festgelegt, die sie dafür zur Verfügung haben. Eine Behandlung beim Kassenpatient geht 15 Minuten inklusive Patientengespräch sowie das An- und Ausziehen.

Und wenn Sie etwas Zusätzliches machen wollen, das dem Patienten hilft?
Dann kann ich das natürlich machen. Aber bezahlt bekomme ich es nicht.

Das war doch schon immer so.
Aber das heißt ja noch lange nicht, dass es deshalb richtig ist. Genauso wenig wie die starre Fixierung auf das rein Orthopädische. Wir wissen mittlerweile so viel mehr über die Zusammenhänge im menschlichen Körper – und welche Rolle dabei auch psychische und stoffliche Komponenten spielen können. Um es etwas zugespitzt zu formulieren: Ich fange heute da an zu behandeln, wo ich früher aufgehört habe.

Und in diesen Dingen kennen Sie sich als Physiotherapeut auch aus?
Als Physiotherapeut nicht. Aber als jemand, der die komplette Ausbildung zum Funktionsmediziner hat. Wissen Sie, wie viele Stunden ich in den vergangenen Jahren auf Fortbildungen verbracht habe?

Hunderte?
Tausende! Ich habe mich in vielen Bereichen weitergebildet, um zu lernen, wie der menschliche Körper wirklich tickt. Wie es zu den immer komplexeren Krankheitsbildern kommt – und welche Möglichkeiten der Behandlung es gibt. Und jetzt habe ich im übertragenen Sinne einen gut sortierten Werkzeugkasten, aus dem ich mich je nach Bedarf bedienen kann.

Und Sie sprengen damit auch die 15-Minuten-Ketten.

(Lacht.) So kann man es sagen. Aber nicht, weil ich den Patienten gerne länger sehen möchte. Im Gegenteil.

Im Gegenteil?
Mein Ziel ist es, dass der Patient dauerhaft zu Hause bleibt. Weil das bedeutet, dass es ihm gut geht.

Und das erreichen Sie mit längeren Behandlungen?
Auch. Wir können deutlich intensiver an der Problematik arbeiten, ohne, dass ich alle zwei Minuten auf die Uhr schauen muss. Ich kann mir die Zeit nehmen, die es braucht. Das ist gut für den Patienten – und auch für mich.

Weil der Zeitdruck wegfällt?
Genau. Ganz ehrlich: Ich kenne eine Menge Physiotherapeuten und Krankengymnasten. Aber nicht einer hat Spaß daran, im 15-Minuten-Rhythmus von Kabine zu Kabine zu rennen und eigentlich gar nicht genügend Zeit für die Patienten zu haben.

Sie arbeiten auch mit einigen Methoden, die man nicht so kennt. Matrixtherapie, Kinesiologie, auch die Biochemie spielt eine Rolle.
Ja und?

Na ja, das klingt teilweise schon etwas mysteriös.
(Lacht.) Keine Sorge. Ich renne hier nicht mit einem Zauberstab durch die Gegend oder tanze singend ums Lagerfeuer. Über 80 Prozent der Methoden sind schulmedizinisch belegbar. Auch die anderen 20 Prozent sind erprobt und funktionieren – auch wenn man manchmal nicht so ganz genau weiß, warum. Nehmen Sie die chinesische Medizin, die sich seit Jahrhunderten bewährt. Der klassischen Schulmedizin fehlt vielleicht der Zugang dazu. Aber soll ich sie deshalb weglassen, wenn sie hilft? Das wäre doch Wahnsinn.